Thesaurierend beschreibt eine Art der Ertragsverwendung: Erträge wie Dividenden oder Zinsen werden im Fonds belassen und wieder angelegt. Erfahren Sie mehr!
: Thesaurierend beschreibt eine Art der Ertragsverwendung bei Investmentfonds, wie zum Beispiel ETFs, bei denen Erträge wie Dividenden und Zinsen im Fonds automatisch reinvestiert werden.
Während thesaurierende ETFs die Erträge zur Wiederanlage nutzen, erhalten Anlegerinnen und Anleger bei ausschüttenden ETFs regelmäßige Auszahlungen. Beide Varianten bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile.
Die Wahl zwischen thesaurierendem oder ausschüttendem ETF ist abhängig von Ihrem Anlageziel. Für den langfristigen Vermögensaufbau werden thesaurierende ETFs häufig genutzt.
Thesaurierend beschreibt eine Art der Ertragsverwendung: Erträge wie Dividenden oder Zinsen werden im Fonds belassen und wieder angelegt. Das ist relevant, da sich dadurch das Fondsvermögen im Zeitverlauf erhöht. Der zentrale Unterschied zu ausschüttenden ETFs (Exchange Traded Funds) liegt darin, ob Erträge im Fonds verbleiben oder regelmäßig ausgezahlt werden.
ETFs sind börsengehandelte Fonds, die einen Index abbilden. Ein Index fasst mehrere Wertpapiere einer Anlageklasse zusammen und spiegelt so die Wertentwicklung eines bestimmten Marktes wider.
Kurz eingeordnet:
Wenn Sie laufende Auszahlungen nutzen möchten, kommen ausschüttende ETFs infrage.
Wenn Erträge automatisch im Fonds verbleiben sollen, werden häufig thesaurierende ETFs gewählt.
Gut zu wissen: Ob ein ETF thesaurierend ist, spiegelt sich im ETF-Namen wider. Bezeichnungen wie „ACC“ (Accumulating) und „C“ (Capitalisation) werden häufig als Hinweis verwendet. Verbindlich ist jedoch die Angabe zur Ertragsverwendung im Factsheet des jeweiligen ETFs.
Der wesentliche Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs liegt darin, was mit den Erträgen passiert: Thesaurierende ETFs legen Dividenden und Zinsen automatisch wieder im Fonds an, wodurch sich das Fondsvermögen rechnerisch erhöht. Die Wiederanlage trägt somit langfristig zum Zinseszinseffekt bei. Der Zinseszinseffekt bezeichnet den Effekt, bei dem Erträge wie Dividenden oder Kursgewinne wieder angelegte werden und eigene Erträge generieren.
Ausschüttende ETFs hingegen zahlen die Erträge regelmäßig aus. Nach einer Ausschüttung reduziert sich der Kurs der Fondsanteile um den ausgeschütteten Betrag, da dieser aus dem Fondsvermögen entnommen wurde. Die laufenden Auszahlungen erhöhen die finanzielle Flexibilität, wie etwa für Rücklagen oder eine manuelle Reinvestition.
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Folgendes Rechenbeispiel zeigt, wie sich ein thesaurierender ETF langfristig auf den Vermögensaufbau auswirkt. Grundlage der Berechnung ist eine Veranlagung von 20.000 € in einen ETF mit einer angenommen jährlichen Entwicklung von 8 % (5 % Kurssteigerung, 3 % Dividenden). Kosten, Steuern und Marktentwicklung bleiben unberücksichtigt.
Hinweis: Das Rechenbeispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung der unterschiedlichen Ertragsverwendung und stellt keinen Vergleich der tatsächlichen Wertentwicklung dar.
Anlagezeitraum | Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF |
1 Jahr | 21.600 € | 21.600 € |
5 Jahre | 29.386 € | 28.711 € |
10 Jahre | 43.178 € | 39.456 € |
20 Jahre | 93.219 € | 69.188 € |
Nach 20 Jahren ergibt sich beim thesaurierenden ETF ein höherer rechnerischer Gesamtwert als beim ausschüttenden ETF. Der Grund dafür ist der Zinseszinseffekt: Da der thesaurierende ETF die Dividenden automatisch reinvestiert, erwirtschaften diese Erträge in den Folgejahren neue Gewinne. Beim ausschüttenden ETF fließen die Dividenden hingegen auf Ihr Verrechnungskonto. Der angezeigte Endwert von 69.188 € setzt sich daher aus dem gestiegenen Wert der Fondsanteile (53.066 €) und den über 20 Jahre angesammelten Ausschüttungen (16.122 €) zusammen, ohne dass für diese Auszahlungen eine Wiederveranlagung oder Verzinsung berücksichtigt wurde.
Hinweis: Kapitalmärkte unterliegen Schwankungen. Wertentwicklungen können daher negativ ausfallen.
Thesaurierende und ausschüttende ETFs unterliegen der Kapitalertragsteuer (KESt). Diese beträgt in Österreich 27,50 % und wird auf Dividenden, ausschüttungsgleichen Erträgen und Veräußerungsgewinnen erhoben. In der Regel übernimmt die Depotbank die Abwicklung der Steuer.
Bei einem ausschüttenden ETF erfolgt die Besteuerung auf die tatsächlich ausgezahlten Erträge. Sobald Dividenden und Renditen anfallen, führt die Depotbank die KESt direkt ab. Die Auszahlung ist dann bereits um den Steuerbetrag reduziert.
Bei einem thesaurierenden ETF entfällt eine tatsächliche Ausschüttung. Die Erträge bleiben im Fonds und werden wiederveranlagt. Damit thesaurierende und ausschüttende ETFs steuerlich gleichbehandelt werden, werden diese Erträge als „ausschüttungsgleiche Erträge“ bezeichnet.
Bei thesaurierenden ETFs gibt es einen steuerlichen Aufschubeffekt auf Fondsebene: Während ordentliche Erträge (wie Dividenden und Zinsen) zu 100 % steuerpflichtig sind, werden im Fonds realisierte Kursgewinne (außerordentliche Erträge) nur zu 60 % sofort mit der KESt von 27,50 % besteuert. Diese anteilige Besteuerung wird als „Steuerstundung“ bezeichnet, da der verbleibende Teil erst zu einem späteren Zeitpunkt, nach dem Verkauf des ETFs, der KESt unterliegt. Die verbleibenden 40 % dieser Kursgewinne werden erst beim späteren Verkauf des ETFs versteuert (Steuerstundungseffekt). Gewinne, die bereits während der Laufzeit versteuert wurden, erhöhen die steuerlichen Anschaffungskosten und werden beim Verkauf nicht noch einmal besteuert.
Gut zu wissen: Die meisten in Österreich verfügbaren ETFs sind Meldefonds und melden steuerliche Daten an die Finanzverwaltung. Bei Nicht-Meldefonds erfolgt eine pauschale Besteuerung, die in der Praxis höher ausfallen kann. In diesem Fall fällt die KESt fällt auf 90 % des jährlichen Kursgewinns an, mindestens auf 10 % des Fondswertes am Jahresende.
Angenommen, Sie haben 10.000 € in einen thesaurierenden ETF investiert. Im Laufe der Zeit erzielt der ETF einen Ertrag in Höhe von 1.000 €. Hierbei handelt es sich um realisierte Kursgewinne, die im Fonds wieder angelegt werden.
Schritt 1: Besteuerung während der Laufzeit
Von den 1.000 € werden lediglich 60,00 %, also 600 €, sofort mit 27,50 % KESt besteuert.
Das ergibt eine Steuer von 165 € (600 € × 27,50 %).
Die restlichen 400 € bleiben vorerst steuerfrei → Steuerstundung.
Schritt 2: Verkauf des ETFs
Sie verkaufen den ETF später zu einem Kurswert von 12.000 € (das entspricht einem tatsächlichen Wertzuwachs von 2.000 €). Bei der Berechnung der Steuer beim Verkauf wird nun der zuvor aufgeschobene Teil automatisch berücksichtigt, indem der steuerliche Einstandspreis angepasst wird.
Schritt 3: Kein Doppelbesteuerungseffekt
Um eine Doppelbesteuerung zu verhindern, werden die ausschüttungsgleichen Erträge abzüglich der bereits gezahlten Steuer den Anschaffungskosten zugerechnet. Ihre steuerlichen Anschaffungskosten steigen somit von 10.000 € um 835 € (1.000 € Ertrag minus 165 € bereits gezahlte KESt) auf 10.835 €.
Beim Verkauf zieht die Depotbank diesen bereinigten Wert ab:
12.000 € Erlös − 10.835 € Anschaffungskosten = 1.165 € zu versteuernder Restgewinn.
Darauf fallen beim Verkauf 27,50 % KESt an (320,38 €).
Ergebnis: Während der Laufzeit fallen auf Substanzgewinne effektiv lediglich 16,50 % Steuern (statt 27,50 %) an. Der Rest wird bis zum Verkauf nach hinten verschoben, was den Zinseszinseffekt entfaltet.
Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine steuerliche Beratung dar. Für detaillierte Informationen oder zur individuellen Klärung steuerrechtlicher Fragen empfehlen wir die Hinzuziehung eines Steuerberaters oder einer anderen befähigten Person.
Die thesaurierende Ausschüttung bringt bestimmte Eigenschaften mit sich, die je nach Anlagestrategie von Vorteil oder Nachteil sein können. Dazu gehören:
Vorteil | Erklärung |
Zinseszinseffekt | Die automatische Wiederanlage von Erträgen kann zu einem kontinuierlichen Wertzuwachs beitragen |
Vereinfachte Verwaltung | Anlegerinnen und Anleger profitieren von einem geringeren Aufwand, da die Wiederanlage der Erträge automatisch im Fonds erfolgt. |
Steuerstundungseffekt | Bei thesaurierenden ETFs werden 40,00 % der Erträge erst beim Verkauf besteuert. |
Nachteil | Erklärung |
Fehlende Liquidität | Erträge bleiben im Fonds und erhöhen somit lediglich den Fondswert. Ein Geldzufluss zu den Anlegerinnen und Anlegern bleibt aus. |
Eingeschränkte Flexibilität | Die automatische Wiederanlage verhindert, dass Erträge anderweitig investiert werden. |
Risiko bei fallenden Kursen | Reinvestierte Gewinne können bei sinkenden Kursen an Wert verlieren. |
Ein ausschüttender ETF leitet Erträge regelmäßig an Anlegerinnen und Anleger weiter. Diese Form der Ausschüttung bringt unterschiedliche Auswirkungen auf Liquidität, Steuerbehandlung und Handhabung mit sich:
Vorteil | Erklärung |
Regelmäßiges Einkommen | Dividenden und Renditen dienen als laufende Einnahmequelle. |
Flexibilität | Erträge lassen sich frei anlegen, beispielsweise erneut in ETFs oder in andere Veranlagungsformen. |
Nachteil | Erklärung |
Sofortige Steuerpflicht | Bereits bei der Auszahlung fällt die Kapitalertragsteuer an, was den Gewinn reduziert. |
Ausbleibender Zinseszinseffekt | Durch die Auszahlung bleibt die erneute Verzinsung der erzielten Renditen aus. |
Organisatorischer Aufwand | Anlegerinnen und Anleger entscheiden selbst, wie die Erträge verwendet oder erneut angelegt werden. |
Ob ein thesaurierender oder ausschüttender ETF die geeignete Wahl ist, hängt vom individuellen Anlageziel ab. Bei einem langfristigen Anlagehorizont kann die Wiederanlage von Erträgen dazu beitragen, dass Erträge im Fonds verbleiben und weiter investiert werden. Wünscht man sich hingegen regelmäßige Auszahlungen, lohnt sich ein ausschüttender ETF. Ebenso sind bei der Wahl der Ausschüttungsart die unterschiedlichen steuerlichen Aspekte zu berücksichtigen.
Bei einem ausschüttenden ETF werden Ihnen die Erträge gutgeschrieben. Diese Ausschüttungen bieten Ihnen die Möglichkeit, eigenständig weitere Anteile des gleichen ETFs oder eines anderen Wertpapiers zu erwerben.
Die manuelle Wiederanlage erfolgt in mehreren Schritten:
Ausschüttung vom Broker beziehungsweise von der Bank auf das Verrechnungskonto.
Sie erteilen einen Kaufauftrag, um mit dem erhaltenen Betrag weitere ETF-Anteile zu erwerben.
Das Finanzinstitut führt diese Transaktion aus und die neu gekauften Fondsanteile erscheinen in Ihrem Deopt.
Sie haben zudem die Möglichkeit, die Ausschüttungen in andere Anlageformen zu überführen. Wenn Sie eine kurzfristige, flexible Nutzung planen, lohnt sich Tagesgeld. Diese Form der Geldanlage bietet planbare Zinsen und einen kurzfristigen Zugriff auf das Guthaben. Wenn Sie eine planbare Laufzeit mit höheren Zinsen bevorzugen, wäre Festgeld eine Option.
Unabhängig von ETFs nutzen manche Anlegerinnen und Anleger Ausschüttungen für klassische Sparprodukte. Aktuell bietet Raisin Zinsen von bis zu 2,12 % p. a. auf Tagesgeld und bis zu 3,17 % p. a. auf Festgeld an. Beide Anlageformen unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu 100.000 € pro Person und Bank.
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