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Bei der Niedrigzinspolitik werden die Leitzinsen durch die Zentralbanken auf ein sehr niedriges Niveau gesenkt, wie beispielsweise nach der Finanzkrise im Jahr 2008.
Eine Niedrigzinspolitik lässt Sparzinsen, jedoch auch Kreditzinsen sinken. Investitionen und Anlagen am Kapitalmarkt werden dadurch attraktiver als das Sparen.
Durch die niedrigen Zinsen wird sich eine gesteigerte Nachfrage nach Unternehmens- und Privatkrediten erhofft, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Niedrigzinspolitik bezeichnet eine geldpolitische Strategie, bei der Zentralbanken die Leitzinsen auf ein sehr niedriges Niveau senken oder dort belassen, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Diese Politik wird häufig in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit sowie bei ausbleibendem oder rückläufigem Wirtschaftswachstum angewendet.
In Österreich orientiert sich das Zinsniveau an den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB betrieb in den letzten Jahren eine Niedrigzinspolitik, bis sie im Jahr 2022 erstmals nach elf Jahren die Leitzinsen wieder Schritt für Schritt anhob, um der Inflation entgegenzuwirken und die Wirtschaft anzukurbeln.
Eine Niedrigzinspolitik kann mehrere Gründe beziehungsweise Ziele haben. Die sechs Hauptgründe für niedrige Zinsen sind:
Die Gründe für die jahrelangen Niedrig- und Nullzinsen der EZB gingen auf die globale Finanzkrise 2008 zurück, die im europäischen Währungsraum ab 2010 nahtlos in die Euro-Staatsschuldenkrise überging. Die Verschuldung von Staaten wie Griechenland, Spanien, Portugal und Irland stieg rasant an, während ihre Möglichkeiten, sich frisches Kapital über den freien Finanzmarkt zu beschaffen, massiv einbrachen.
Um einen Staatsbankrott abzuwenden, wurden verschiedene Rettungsschirme (wie der ESM) ins Leben gerufen, die die überschuldeten Länder mit Notkrediten und Bürgschaften versorgten. Besonders Griechenland stand dabei mehrfach vor drastischen Problemen bei der Bedienung fälliger Kreditraten.
Um die betroffenen Staaten des Euroraums finanziell zu entlasten, die Kreditvergabe der Banken anzukurbeln und die lokalen Wirtschaftssysteme zu stimulieren, startete die EZB im März 2015 umfassende Anleihenkaufprogramme (bekannt als Quantitative Easing). In der Konsequenz wurde der zentrale Leitzins schrittweise auf das historische Tief von 0,00 % gesenkt. Dieser Nullzinssatz blieb bis Juli 2022 bestehen. Erst nach dem schrittweisen Stopp der milliardenschweren Anleihenkäufe leitete die EZB im Sommer 2022 eine Serie von Zinserhöhungen ein, um der rasant steigenden Inflation entgegenzuwirken.
Diese historische Kehrtwende prägt den Markt bis heute: Weil die Geister der Inflation seither nicht vollständig verschwunden sind, musste die EZB die Zinsen nach einer kurzen Pause erst gestern (Zinsbeschluss vom 11. Juni 2026) erneut leicht anheben.
Eine Niedrigzinspolitik kann eine Reihe von positiven, aber auch negativen Folgen für eine Volkswirtschaft haben. Die Auswirkungen betreffen verschiedene Bereiche, darunter die Finanzmärkte, das Konsumverhalten und langfristig auch die wirtschaftliche Stabilität. Hier sind die wichtigsten Folgen:
Erhöhtes Investitionsaufkommen am Kapitalmarkt. | Sparen mit Tagesgeld und Festgeld wird weniger attraktiv. |
Erhöhter Erwerb von Eigentum. | Der Immobilienmarkt wird in die Höhe getrieben (Immobilienblase). |
Gesteigerter privater Konsum. | Steigende Inflation. |
Schaffung von Arbeitsplätzen. | Risiko der Überschuldung. |
Der Einlagenzins, einer der Leitzinsen der EZB, stellt die Orientierungsmarke für Zinsen heimischer Banken dar. Ist dieser besonders niedrig, bieten heimische Banken lediglich geringe Zinsen auf Spareinlagen an. Als eine Folge niedriger Zinsen in Österreich werden weniger Geldanlagen im Inland getätigt. Sparerinnen und Sparer transferieren ihr Kapital bevorzugt ins Ausland, investieren in Sachwerte oder an der Börse, da dort attraktivere Konditionen geboten werden. Dadurch sinkt die Nachfrage nach dem Euro und ein sinkender Wechselkurs ist die Folge.
Zudem hat ein niedriges allgemeines Zinsniveau eine günstige Kapitalbeschaffung zur Folge. Privatpersonen und Unternehmen können sich besonders günstig Geld bei Banken leihen. Dadurch werden mehr Investitionen getätigt, beispielsweise durch den Erwerb von Eigentum, denn diese können sich bei einem niedrigen Kapitalmarktzins besonders rechnen. Jedoch wird die Inflation durch eine Niedrigzinspolitik in die Höhe getrieben, was eine steigende Entwertung des Geldes und weiterführend steigende Preise zur Folge hat.
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