Europas Banken werden bei der Vergabe von Krediten spürbar vorsichtiger. Das zeigen die Ergebnisse der jüngsten Bank Lending Survey der Europäischen Zentralbank (EZB) für das zweite Quartal 2026. Während Kredite für Unternehmen und Verbraucher damit anspruchsvoller werden, kann die Entwicklung für Sparerinnen und Sparer höhere Zinsen bedeuten

Laut der EZB Bank Lending Survey vom 21. Juli 2026 setzten die Banken im Euroraum im zweiten Quartal 2026 ihren vorsichtigen Kurs fort und verlangten strengere Voraussetzungen für Finanzierungen. Sowohl für Firmen als auch für private Haushalte werden die Kriterien bei der Antragsprüfung anspruchsvoller – etwa durch höhere Anforderungen an Eigenkapital, Einkommen oder Sicherheiten.
Als Hauptgründe für den defensiven Kurs nennt der Bericht die gestiegenen Konjunkturrisiken sowie eine geringere Risikobereitschaft der Geldhäuser selbst. Zusätzlich erhöhten die anhaltenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Unsicherheit im Finanzsektor.
Dennoch fielen die strengeren Antragsprüfungen bei den Unternehmenskrediten moderater aus als zu Jahresbeginn: Lediglich 7 % der Banken gaben an, ihre Vergabekriterien verschärft zu haben. Im Vorquartal waren es noch 10 % gewesen.
Ein Blick auf den Währungsraum zeigt regionale Unterschiede: Während Banken in Deutschland, Spanien und Frankreich strengere Kriterien für Firmenkredite festlegten, bildete Italien die Ausnahme im Euroraum und lockerte die Bedingungen leicht.
Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Die Kreditanfragen seitens der Unternehmen verzeichneten überraschend ein leichtes Plus von 3 %. Dies übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich, die im Vorfeld mit einem Rückgang von 10 % gerechnet hatten. Der Anstieg ist im Wesentlichen auf den kurzfristigen Bedarf an Betriebsmittelfinanzierungen und Refinanzierungen zurückzuführen.
Demgegenüber steht ein spürbarer Rückgang bei der Nachfrage nach Bau- und Immobilienkrediten, die um 15 % nachgab. Die anhaltend hohen Zinsen veranlassen viele Privatpersonen dazu, geplante Immobilienkäufe vorerst aufzuschieben. Der Markt für Konsumentenkredite zeigte sich hingegen vergleichsweise stabil mit einem leichten Rückgang der Nachfrage um 2 %.
Bei der eigenen Refinanzierung geraten die Kreditinstitute auf mehreren Ebenen unter Druck. Die Beschaffung von Kundeneinlagen (Retail Funding) sinkt um 3 % bei kurz- und langfristigen Einlagen – so stark wie seit Ende 2024 nicht mehr. In einem Umfeld wirtschaftlicher Unsicherheit wird es für Banken deutlich schwerer, Spareinlagen zu binden.
Auch am Großhandelsmarkt (Wholesale Funding) nahm der Druck zu. Geldmarktemissionen und Anleiheemissionen verringerten sich leicht um netto 2 %. Lediglich der Bereich der Verbriefungen (Securitisation) blieb weitgehend stabil.
Wird die Geldbeschaffung am Kapitalmarkt für Banken schwieriger, rücken private Anlegerinnen und Anleger wieder stärker in den Fokus. Um sich Liquidität zu sichern, bieten die Institute ihnen häufig spürbar höhere Zinsen.
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