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Zuletzt aktualisiert: 5. August 2026

Wie funktioniert die Vermögensverwaltung in Österreich?

Der Wegweiser zur professionellen Geldanlage in Österreich: Funktionsweise, Kosten und steuerliche Kriterien (KESt) im Vergleich zu rentablen Zins-Alternativen.

Wie funktioniert die Vermögensverwaltung in Österreich?

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Bei der Vermögensverwaltung wird die Geldanlage an Finanzexpertinnen und Finanzexperten abgegeben. Diese übernehmen das laufende Management, den Portfolioaufbau, die kontinuierliche Überwachung und schichten bei Bedarf um.

  • Arten: Es gibt verschiedene Arten der Vermögensverwaltung. Dazu gehören beispielsweise die klassische private Vermögensverwaltung, die auf maßgeschneiderte Anlagestrategien setzt, und die digitale Vermögensverwaltung durch Robo-Advisor.

  • Alternativen: Tagesgeld und Festgeld bieten eine Alternative zur Geldanlage mit einer Vermögensverwaltung.  Sie bieten planbare Zinsen ohne Kursrisiken oder laufende Verwaltungsgebühren und sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 € pro Bank und Anlegerin beziehungsweise Anleger geschützt.

Was ist eine Vermögensverwaltung und wie funktioniert sie?

Eine Vermögensverwaltung übernimmt die professionelle Anlage von Kapital. In Österreich wird diese Dienstleistung von konzessionierten Banken und Wertpapierfirmen angeboten. Sie unterliegt der gesetzlichen Kontrolle der Finanzmarktaufsicht, kurz FMA. Das Ziel ist es, Vermögen im Rahmen der vereinbarten Strategie langfristig zu verwalten, ohne dass man sich selbst um die täglichen Marktschwankungen kümmern muss.

Der Ablauf einer professionellen Vermögensverwaltung folgt in der Regel diesen fünf Schritten:

  • Bedarfsanalyse: Im Erstgespräch erfasst der Anbieter die finanzielle Situation, Anlageziele und Risikotoleranz. Auch das Wissen im Wertpapierbereich wird gemäß dem österreichischen Wertpapieraufsichtsgesetz abgefragt.
  • Mandatserteilung: Die Anlagestrategie wird festgelegt und das Institut erhält eine Vollmacht, das sogenannte Verwaltungsmandat. Die Vermögensverwaltung darf nun eigenständig Transaktionen auf dem Depot durchführen.
  • Portfolioaufbau: Das Institut investiert das Kapital der Strategie entsprechend in Anlageklassen wie Aktien und Anleihen, beispielsweise über Fonds oder ETFs.
  • Laufende Überwachung und Risikomanagement: Das Portfoliomanagement beobachtet den Markt kontinuierlich. Bei Bedarf greift es ein und schichtet Vermögenswerte um, um Klumpenrisiken zu vermeiden und das ursprünglich vereinbarte Risikoprofil beizubehalten.
  • Reporting: Es werden regelmäßig transparente Berichte über die Wertentwicklung des Portfolios und die getroffenen Anlageentscheidungen erstellt, sodass die Arbeit des Managements jederzeit nachvollziehbar bleibt.

Welche Arten der Vermögensverwaltung gibt es in Österreich?

Der österreichische Markt bietet verschiedene Modelle der Vermögensverwaltung, die sich nach Anlagevolumen, Kosten und dem Grad der persönlichen Betreuung unterscheiden. Grundsätzlich lassen sich drei wesentliche Ausprägungen definieren:

Art der VerwaltungZielgruppe & ZugangVerwaltung im Hintergrund

Klassische Vermögensverwaltung (Private Banking)

Diese Form richtet sich primär an vermögende Privatkundinnen beziehungsweise Privatkunden und Stiftungen. In Österreich bieten große Universal- und Privatbanken diesen Service meist ab einem Anlagevolumen von 300.000 bis 500.000 Euro an. Der Zugang erfolgt klassisch analog: Ein fester Berater dient ...

Banken verwalten das Geld hier höchst individuell. Im Rahmen eines sogenannten diskretionären Mandats passen die Portfoliomanager die Anlagen an die spezifischen steuerlichen Rahmenbedingungen und Renditeziele der Kunden an. Wichtig für Anlegerinnen und Anleger: Banken greifen bei der Umsetzung häuf...

Unabhängige Vermögensverwalter (Wertpapierfirmen)

Auch hier liegt der Fokus auf vermögenden Privatkundinnen und Privatkunden, die jedoch Wert auf eine bankenunabhängige Betreuung legen. Die Einstiegshürden ähneln denen des Private Bankings.

Unabhängige Verwalter handeln frei von Konzernvorgaben und setzen die individuelle Strategie oft über das gesamte Produktspektrum des Marktes um, etwa durch kosteneffiziente ETFs oder ausgewählte Einzeltitel. In Österreich benötigen sie dafür zwingend eine Konzession der Finanzmarktaufsicht (FMA) al...

Digitale Vermögensverwaltung (Robo-Advisor)

Digitale Anbieter machen professionelles Portfoliomanagement für die klassische Privatanlegerinnen und  den klassischen Privatanleger zugänglich – oft schon ab kleinen Einmalanlagen oder monatlichen Sparplänen ab 50 Euro. Der Zugang erfolgt rein digital per App oder Web-Portal, inklusive Online-Frag...

Im Gegensatz zum Private Banking läuft die Verwaltung hier stark standardisiert und regelbasiert ab. Algorithmen weisen das Kapital vordefinierten Anlagestrategien (zum Beispiel „Defensiv“, „Ausgewogen“, „Offensiv“) zu. Weicht die Gewichtung im Portfolio durch Marktschwankungen ab, führt das System ...

Worin investiert eine Vermögensverwaltung?

Um Risiken breit zu streuen und Renditechancen zu nutzen, verteilen Vermögensverwalter das Kapital auf unterschiedliche Anlageklassen. Zum Einsatz kommen dabei meist folgende Finanzprodukte:

  • Aktien: Direkte Beteiligungen an Unternehmen bieten langfristig die höchsten Renditechancen, unterliegen jedoch Kursschwankungen an den Börsen.

  • Investmentfonds: Aktiv gemanagte Fonds bündeln das Kapital vieler Anlegerinnen und Anleger, um in bestimmte Themen, Branchen oder Regionen zu investieren. Das Fondsmanagement versucht dabei aktiv, den Vergleichsmarkt zu übertreffen.

  • ETF: Die Abkürzung steht für Exchange Traded Fund, also einen börsengehandelten Fonds. Die meisten ETFs bilden die Wertentwicklung eines Index passiv nach und gelten aufgrund ihrer meist geringen Produktkosten (TER) als kosteneffizienter Baustein in modernen Portfolios. Neben passiven Angeboten gibt es auch aktive ETFs.

  • Anleihen: Diese festverzinslichen Wertpapiere bieten planbare Zinserträge und dienen, gute Bonität vorausgesetzt, als stabiler Gegenpol zu Aktien. Höher verzinsten Segmenten wie High-Yield- oder Emerging-Market-Anleihen stehen jedoch entsprechend hohe Verlustrisiken gegenüber.

  • Immobilien: Direkte Sachwert-Investments und offene Immobilienfonds bieten einen gewissen Inflationsschutz. Zudem generieren sie über Mieten oder Fondsausschüttungen regelmäßige Erträge.

  • Rohstoffe und Edelmetalle: Investitionen in Rohstoffe wie Öl, Gold oder Silber sowie in Edelmetalle dienen dazu, das Portfolio gegen Inflation und Marktvolatilität abzusichern. 

  • Alternative Anlagen: Ergänzend setzen manche Verwalter auf Sachwerte oder spekulative Bausteine wie Private Equity (außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen) oder Kryptowährungen. Diese bieten höhere Renditechancen, bergen jedoch erhebliche Verlust- und Liquiditätsrisiken.

Nachhaltige Geldanlage (ESG & Green Banking): Auch in Österreich gewinnen ethische, ökologische und soziale Kriterien (ESG-Kriterien) massiv an Bedeutung. Viele Vermögensverwalter bieten spezialisierte Nachhaltigkeitsmandate an, die gezielt in „grüne“ Anleihen (Green Bonds) oder Unternehmen mit vorbildlicher Klimabilanz investieren.

Vermögensverwaltung versus Selbstanlage: Vor- und Nachteile im Vergleich

Sollte das eigene Geld professionell verwaltet werden oder ist es besser, die eigenen Investments selbst in die Hand zu nehmen? Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Der direkte Vergleich zeigt die wesentlichen Unterschiede:

KriteriumVermögensverwaltungSelbstanlage (Eigenregie)

Das Konzept

Finanzexpertinnen und Finanzexperten treffen eigenständig Anlageentscheidungen auf Basis einer vorab vereinbarten Strategie.

Es wird ein Depot bei einer Bank oder einem Broker eröffnet und die Verwaltung der Anlagen, wie zum Beispiel ETFs oder Aktien, liegt in eigener Hand.

Die Vorteile

Zeitersparnis, da die tägliche Marktbeobachtung entfällt. Es wird das Fachwissen der Profis sowie ein strukturiertes Risikomanagement genutzt. Die emotionale Distanz des Managements kann vor impulsiven Entscheidungen in volatilen Marktphasen schützen.

Man behält die volle Kostenkontrolle, da keine Managementgebühren anfallen. Zudem profitiert man von maximaler Flexibilität und kann bereits mit kleinen Beträgen, beispielsweise über Sparpläne, starten.

Die Nachteile

Laufende Managementgebühren, die oft zwischen 1,0 % p. a. und 2,5 % p. a. liegen, beeinflussen die Gesamtrendite. Es wird die operative Kontrolle über Einzelinvestments abgegeben. Bei klassischen Anbietern sind zudem oft höhere Einstiegssummen erforderlich.

Dieser Ansatz erfordert Zeit, Disziplin und fundiertes Finanzwissen. In turbulenten Marktphasen besteht ein höheres Risiko für emotionale Fehlentscheidungen oder eine unzureichende Risikostreuung, was zu Klumpenrisiken führen kann.

Steuern & Aufwand

Inländische Anbieter sind steuereinfach, da die KESt (27,5 % auf Wertpapiererträge bzw. 25 % auf Zinserträge aus Fest- und Tagesgeld) automatisch berechnet und an das österreichische Finanzamt abgeführt wird.

Wer in Österreich unbeschränkt steuerpflichtig ist und ein Depot bei einem nicht-steuereinfachen Auslandsbroker führt, muss sämtliche Kapitalerträge eigenständig über die Einkommensteuererklärung (Formular E1 mit Beilage E1kv) versteuern.

Geeignet für

Personen mit wenig Zeit, hohem Komfortbedürfnis oder bereits größeren Vermögenswerten.

Personen, die Interesse an Finanzthemen haben, Kosten minimieren möchten und die nötige Zeit aufbringen, um das eigene Portfolio selbstständig zu pflegen.

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Festgeld und Tagesgeld sind über die gesetzliche Einlagensicherung des jeweiligen Landes der Partnerbank bis zu einem Betrag von 100.000 € pro Bank und Person geschützt. Diese Anlageprodukte bieten transparente Konditionen ohne laufende Verwaltungsgebühren und ohne die Komplexität einer professionellen Vermögensverwaltung.

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Häufige Fragen zum Thema Vermögensverwaltung

In der Regel sind Vermögensverwaltungen sehr liquide. Das bedeutet, dass es meist keine festen Laufzeiten oder lange Kündigungsfristen gibt. Wenn das Kapital abgezogen werden soll, werden die entsprechenden Wertpapiere verkauft. Der Erlös wird dem eigenen Konto innerhalb weniger Bankarbeitstage gutgeschrieben. Eine Ausnahme bilden Portfolios, die in illiquide Anlageklassen wie Private Equity oder Immobilien investieren. In diesen Fällen kann die Kapitalbeschaffung länger dauern.

Das angelegte Vermögen liegt nicht bei der Vermögensverwaltung selbst, sondern auf einem separaten Depot bei einer lizenzierten Depotbank. Im Insolvenzfall des Verwalters oder der Bank greift das gesetzliche Aussonderungsrecht (§ 44 IO): Die Wertpapiere verbleiben zu 100 % im Eigentum der Anlegerinnen und Anleger und fallen nicht in die Konkursmasse. Das Portfolio unterliegt jedoch weiterhin den gewöhnlichen Markt- und Kursrisiken.

Bei der klassischen privaten Vermögensverwaltung ist das möglich. Im Rahmen der Mandatserteilung können individuelle Ausschlusskriterien definiert werden. Es kann beispielsweise festgelegt werden, dass nicht in die Rüstungsindustrie, in Tabak oder in Atomkraft investiert werden darf. Viele Anbieter in Österreich bieten nachhaltige Anlagestrategien nach strengen ESG-Kriterien für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung bereits als Standard an.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine steuerliche Beratung dar. Für detaillierte Informationen oder zur individuellen Klärung steuerrechtlicher Fragen empfehlen wir die Hinzuziehung eines Steuerberaters oder einer anderen befähigten Person.

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Alle ausführlichen Informationen können Sie unter Risikohinweise nachlesen.

Autorin:

Wissen teilen, Barrieren abbauen.
  • Nina Doll
    Autorin: Nina Doll

    Freelance Content Writerin

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