Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag den Einlagensatz anhebt. Angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks im Euroraum rechnen die Finanzmärkte und Ökonomen mehrheitlich mit einer Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt.

Die Europäische Zentralbank wird den Einlagensatz am 10. September voraussichtlich um 25 Basispunkte auf 2,50 % anheben.
Steigende Energiepreise treiben die Inflation im Euroraum auf 3,3 % – und damit deutlich über das EZB-Ziel von 2,0 %.
Ein weiterer Zinsschritt im späteren Jahresverlauf ist nicht ausgeschlossen, wenngleich ein Großteil der Marktteilnehmer davon ausgeht, dass das Zinsniveau von 2,50 % bis Mitte 2027 beibehalten wird.
Haupttreiber für den erwarteten Schritt der Zentralbank ist die anhaltende Inflation im Euroraum. Gemäß der Schnellschätzung von Eurostat lag die Verbraucherpreisinflation im August bei 3,3 % und verzeichnete damit einen deutlichen Anstieg gegenüber den 2,9 % im Juli.
Damit rückt das Inflationsziel der EZB von 2 % zunehmend in weite Ferne. Der jüngste Inflationsanstieg ist im Wesentlichen auf den Energiesektor zurückzuführen, in dem die Preise im Jahresvergleich um mehr als 14 % zulegten. Auch der Dienstleistungssektor (+3,0 %), Industriegüter (+1,2 %) sowie Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak (+1,2 %) tragen zu dem anhaltenden Inflationsdruck bei.

Die Finanzmärkte haben den bevorstehenden Schritt bereits vollständig eingepreist. Das „ECB Watch Tool“, das die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanpassung auf Basis aktueller Zins-Futures berechnet, geht inzwischen von einer hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung am 10. September aus.
Eine aktuelle Reuters-Umfrage unter 65 Volkswirten bestätigt die Prognose: 100 % der Befragten erwarten, dass die EZB den Einlagensatz in der kommenden Woche auf 2,50 % anhebt.
Dies steht in starkem Kontrast zu früheren Umfragen, bei denen dieser Wert noch bei 83 % (August) bzw. 72 % (Juli) lag.

Obwohl die EZB eine wirtschaftliche Rezession vermeiden möchte (für das Jahr 2026 wird im Euroraum lediglich ein verhaltenes BIP-Wachstum von 0,8 % prognostiziert), gibt es weiterhin Faktoren, die die Inflation anheizen könnten. Insbesondere die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und im Umfeld des Iran sorgen für zunehmende Unsicherheiten an den Rohstoff- und Energiemärkten.
Dem „ECB Watch Tool“ zufolge gilt eine Zinspause im Oktober bei 2,50 % derzeit als das wahrscheinlichste Szenario. Für die letzte Jahressitzung im Dezember preisen die Terminmärkte hingegen bereits zaghaft eine weitere Anhebung ein: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen im Dezember auf 2,75 % steigen, liegt derzeit bei 56,8 %.
Die an der jüngsten Reuters-Umfrage beteiligten Volkswirte sind bei ihren Prognosen vorsichtiger. Rund 91 % gehen davon aus, dass der Einlagensatz das Jahr bei 2,50 % beenden wird, und 78 % prognostizieren, dass dieses Niveau bis Mitte nächsten Jahres beibehalten wird.
Sollten sich diese Prognosen bestätigen, wäre dies der kürzeste Zinsanhebungszyklus der Zentralbank seit 2011.
Für Sparerinnen und Sparer ist eine Leitzinsanhebung der EZB grundsätzlich eine erfreuliche Nachricht: Heben die Währungshüter die Leitzinsen an, ziehen die Geschäftsbanken gewöhnlich nach und bieten höhere Zinsen auf Sparkonten wie Tagesgeld und Festgeldanlagen an. Bereits in den Wochen vor der Zinsentscheidung war bei vielen Partnerbanken von Raisin ein Zinsanstieg zu beobachten.
Gleichzeitig gilt es, die Inflation im Blick zu behalten: Ersparnisse können an Kaufkraft verlieren, wenn der nominale Sparzins unter der Inflationsrate liegt. Für Sparerinnen und Sparer ist es daher umso wichtiger, die Zinsen regelmäßig zu vergleichen und in Erwägung zu ziehen und gegebenenfalls einen Teil ihres Kapitals für längere Zeit zu höheren Zinssätzen anzulegen.
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