Wie können Sie mit Short-ETFs bei fallenden Kursen Gewinne erzielen?
Short-ETFs sind eine spezielle Art von ETFs, die von fallenden Kursen profitieren. Es gibt Short-ETFs für verschiedenste Indizes und Sektoren. Sie gelten als spekulativ und risikoreich.
Short-ETFs sind pfadabhängig. Das bedeutet: Ihre Wertentwicklung hängt von den täglichen Kursbewegungen des Index sowie von deren Reihenfolge und Häufigkeit ab.
Short-ETFs bilden die inverse Wertentwicklung von Indizes wie dem DAX, dem S&P 500 und dem Euro Stoxx 50 nach. Sie ermöglichen es Anlegerinnen und Anlegern, auf fallende Kurse dieser großen Aktienindizes zu spekulieren.
Short-ETFs sind börsengehandelte Indexfonds, die es Anlegerinnen und Anlegern ermöglichen, von fallenden Kursen zu profitieren. Im Gegensatz zu klassischen ETFs, die einen Referenzindex wie den MSCI World, DAX oder S&P 500 eins zu eins abbilden, bilden Short-ETFs die gegenteilige tägliche Wertentwicklung eines solchen Index ab.
Um diesen inversen Effekt zu erzielen, nutzen Short-ETFs eine synthetische Replikation. Statt physische Aktien zu kaufen, kommen dabei zum Beispiel Derivate wie Swaps oder Futures zum Einsatz. Diese Finanzinstrumente stellen sicher, dass sich der Wert des ETFs entgegengesetzt zum Basisindex bewegt:
Fällt der Index, steigt der Kurs des Short-ETFs ungefähr im gleichen Verhältnis.
Steigt der Index, verbucht der Short-ETF entsprechende Verluste.
Short-ETFs sind auf die tägliche inverse Rendite ausgelegt. Da die Basis am Ende jedes Handelstages neu berechnet wird, eignet sich dieses Instrument primär für kurzfristige Absicherungen oder Spekulationen. Der Grund: Der ETF bringt seine Berechnung jeden Abend auf den aktuellen Stand. Dadurch weicht das Ergebnis bei längerer Haltedauer oft deutlich von der eigentlich erwarteten Index-Entwicklung ab.
Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wert von der Entwicklung eines zugrunde liegenden Basiswerts, wie beispielsweise Aktien, Indizes oder Rohstoffe, abhängt. Anlegerinnen und Anleger nutzen Derivate, um Kursrisiken abzusichern, um auf bestimmte Marktentwicklungen zu spekulieren. Zu den Derivaten, die bei Short-ETFs zum Einsatz kommen, gehören:
Futures: Ein Future ist ein Vertrag, der beide Vertragsparteien verpflichtet, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.
Swaps: Ein Swap ist ein Vertrag, bei dem zwei Parteien Zahlungen oder Vermögenswerte tauschen, basierend auf bestimmten finanziellen Indizes oder Zinssätzen.
Optionen: Eine Option ist das Recht (nicht Pflicht), einen Basiswert bis zu oder zu einem bestimmten Datum zu einem festen Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).
Aufgrund der täglichen Neugewichtung und möglicher Hebelwirkungen sind sie mit erhöhten Risiken verbunden. Erfahrene Anlegerinnen und Anleger, die davon ausgehen, dass die Kurse eines Marktes fallen, können mit einem Short-ETF von dieser Entwicklung profitieren. Short-ETFs kommen vor allem für taktische Marktpositionierungen infrage. Damit ist der Versuch gemeint, durch kurzfristige Anpassungen des Portfolios auf aktuelle Marktereignisse zu reagieren, anstatt einer festen langfristigen Strategie zu folgen. Aufgrund der täglichen Neugewichtung und der damit verbundenen Pfadabhängigkeit sind sie in der Regel nicht für langfristiges Buy-and-Hold, etwa für den Vermögensaufbau oder die Altersvorsorge, geeignet. Das liegt daran, dass sich bei schwankenden Kursen die täglichen Verluste stärker auswirken als die Gewinne. Bewegt sich ein Markt über längere Zeit seitwärts, verliert der Short-ETF schleichend an Wert. Das gilt selbst dann, wenn der Index am Ende wieder bei seinem Startwert steht.
Die folgenden Beispiele veranschaulichen, wie Short-ETFs funktionieren und auf die Kursbewegungen eines Index reagieren. Sie zeigen, wie der Wert eines Short-ETFs auf Tagesbasis (täglicher Reset) steigt, wenn der zugrunde liegende Markt fällt, und umgekehrt, wie er bei einem Anstieg des Marktes an Wert verliert. Diese Szenarien tragen dazu bei, die Mechanik hinter Short-ETFs besser zu verstehen.
Beispiel 1: Marktabschwung – Gewinn mit Short-ETFs
Fällt der Basisindex an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen, erzielt der Short-ETF einen Wertzuwachs. Die Berechnung erfolgt dabei täglich auf Basis des Schlusskurses vom Vortag:
Ausgangslage: Ein Anleger oder eine Anlegerin investiert 10.000 € in einen Short-ETF auf den DAX.
Tag 1: Der DAX verliert 10 %. Der Short-ETF bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung und steigt um 10 %. Der Wert steigt auf 11.000 €.
Tag 2: Der DAX verliert erneut 10 %. Da der Short-ETF die tägliche Rendite abbildet, gewinnt er wieder 10 % dazu, diesmal jedoch bezogen auf den neuen Wert von 11.000 €.
Ergebnis: Der Wert steigt um weitere 1.100 € auf insgesamt 12.100 €.
Beispiel 2: Markterholung – Verlust mit Short-ETFs
Bei einer Markterholung mit steigenden Kursen verzeichnet der Short-ETF Verluste. Hier ist die tägliche Neukalkulation ebenfalls ausschlaggebend für das Endergebnis:
Ausgangslage: Eine Anlegerin oder ein Anleger hat Anteile an einem Short-ETF im Wert von 10.000 €.
Tag 1: Der Index steigt um 10 %. Der Short-ETF bildet ihn invers ab und verliert 10 %. Der Wert sinkt auf 9.000 €.
Tag 2: Der Index steigt erneut um 10 %. Der Short-ETF verliert wiederum 10 %, bezogen auf den verbliebenen Wert von 9.000 €.
Die Funktionsweise von Short-ETFs ist komplex und unterscheidet sich erheblich von klassischen Wertpapieren wie Aktien und Anleihen. Neben der inversen Abbildung können auch Finanzierungskosten und Zinseffekte die Wertentwicklung beeinflussen, da Short-ETFs häufig mit Derivaten arbeiten. Durch die tägliche Neugewichtung hängt die Entwicklung eines Short-ETFs vom Endstand des Index ab und vom Verlauf der täglichen Kursbewegungen (Pfadabhängigkeit).
Die Grundlage für Short-ETFs bildet die Strategie des Leerverkaufs. Während Anlegerinnen und Anleger bei einer klassischen „Long-Position“ Aktien in Erwartung steigender Preise erwerben, zielt ein Leerverkauf auf fallende Preise ab.
Das Konzept von Leerverkäufen
Anlegerinnen und Anleger leihen sich zunächst Wertpapiere von anderen Marktteilnehmenden und verkaufen diese zu aktuellen Marktpreisen. Das Ziel besteht darin, diese Papiere zu einem späteren Zeitpunkt zu einem günstigeren Preis zurückzukaufen. Falls der Kurs des Wertpapiers fällt, ergibt sich der Gewinn aus der Differenz zwischen dem ursprünglichen Verkaufspreis und dem niedrigeren Rückkaufpreis.
Die Umsetzung im Short-ETF
Ein Short-ETF folgt der Grundidee von Short-Positionen, um von fallenden Märkten zu profitieren, wählt jedoch einen anderen technischen Weg. Anstatt individuell Wertpapiere zu leihen, bildet der ETF die Strategie über Derivate wie Futures, Swaps oder Optionen nach:
Derivate als Instrumente: Anstatt Wertpapiere wie Aktien zu leihen, verwendet der Short-ETF Derivate, um die gleiche Wirkung wie ein Leerverkauf zu erzielen. Diese Derivate spiegeln die inverse Wertentwicklung des Index wider, sodass der Short-ETF an Wert gewinnt, wenn der zugrunde liegende Markt fällt.
Der Prozess: Mithilfe von Derivaten simuliert der Short-ETF die Kursentwicklung eines Leerverkaufs. So kann der Fonds von fallenden Kursen profitieren, ohne dass die einzelnen Aktien im Index tatsächlich gekauft oder verkauft werden. Sinken die Kurse innerhalb des Index, steigt im Gegenzug der Wert dieser Finanzverträge und somit auch der Kurs des Short-ETFs.
Gewinnerzielung: Gewinne und Verluste entstehen, weil der Short-ETF je nach täglicher Indexbewegung im Wert steigt oder fällt: Fällt der Index, kann der Short-ETF zulegen. Steigt der Index, kann er verlieren.
Short-ETFs sind pfadabhängig. Das bedeutet, dass ihre Wertentwicklung von den täglichen Kursbewegung des zugrunde liegenden Index abhängt sowie von der Reihenfolge und Häufigkeit der Bewegungen. Selbst wenn der Index insgesamt den gleichen Wertverlust oder -gewinn erzielt, kann die Performance des Short-ETFs unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wie die Kurse im Verlauf der Zeit steigen oder fallen. Diese Pfadabhängigkeit kann zu deutlichen Abweichungen von der inversen Gesamtperformance führen.
Beispiel:
Tag | Indexstand (Punkte) | Änderung zum Vortag | Änderung zu Tag 0 | Short-ETF (Wert) |
0 | 8.500 |
|
| 100 € |
1 | 8.200 | -3,53 % | -3,53 % | 103,53 € |
2 | 8.600 | +4,88 % | +1,18 % | 98,48 € |
3 | 8.800 | +2,33 % | +3,53 % | 96,19 € |
4 | 8.300 | -5,68 % | -2,35 % | 101,65 € |
5 | 8.500 | +2,41 % | 0,00 % | 99,20 € |
6 | 8.400 | -1,18 % | -1,18 % | 100,37 € |
7 | 8.600 | +2,38 % | +1,18 % | 97,98 € |
8 | 8.500 | -1,16 % | 0,00 % | 99,12 € |
9 | 8.450 | -0,59 % | -0,59 % | 99,70 € |
Ein Index befindet sich bei 8.500 Indexpunkten. Eine Anlegerin oder ein Anleger rechnet mit fallenden Kursen und investiert 100 € in Anteile an einem Short-ETF.
Am ersten Tag fällt der Index tatsächlich um -3,53 %. Dadurch nimmt der Wert des ETFs auf 103,53 € zu. Doch bereits am zweiten Tag ändern sich die Umstände. Der Index steigt ausgehend vom Vortag um 4,88 % auf 8.600 Punkte und der Short-ETF fällt auf 98,48 € ab. Im Vergleich zum Tag 0 hat sich der Index um +1,18 % entwickelt. Ausgehend von dieser Indexentwicklung ließe sich eine entsprechende Gegenbewegung des Short-ETFs von -1,18 % erwarten. Stattdessen fällt er von seinem höheren Stand (103,53 €) um -4,88 % auf 98,48 €. Die Berechnung im Detail:
103,53 € x 4,88 % = 5,05 €
103,53 € - 5,05 € = 98,48 €
Das Beispiel zeigt, dass der Indexpunktestand beim Verkauf im Vergleich zum Kaufzeitpunkt eines ETFs für sich genommen lediglich eine begrenzte Aussagekraft für den erzielten Gewinn hat. Entscheidend sind vielmehr die täglichen prozentualen Veränderungen des Short-ETFs, die sich durch die tägliche Neugewichtung im Zeitverlauf aufeinander aufbauen.
In dem Beispiel schwankt der Index lediglich um seinen Ausgangspunkt, während der ETF an Wert verliert. Der größte Gewinn hätte erzielt werden können, wenn der ETF unmittelbar nach dem ersten Handelstag verkauft worden wäre. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Short-ETFs vor allem für kurzfristige Spekulationen geeignet sind.
Wie bei jedem Finanzprodukt gibt es bei Short-ETFs Vorteile und Risiken, die sorgfältig abzuwägen sind, bevor eine Investition getätigt wird. Ein Überblick:
Vorteile:
Anlegerinnen und Anleger mit einer erhöhten Risikobereitschaft können durch Short-ETFs von den sinkenden Kursen eines Index profitieren.
Short-ETFs können aus der Sicht erfahrener Investorinnen und Investoren sinnvoll sein, um das Depot in Zeiten fallender Kurse taktisch abzusichern.
Nachteile:
Short-ETFs sind spekulative Instrumente, die aufgrund ihrer täglichen inversen Abbildung vor allem für kurzfristiges Handeln geeignet sind.
Sie haben oft höhere laufende Kosten als klassische Index-ETFs.
Bei steigenden Kursen des Basiswerts fällt der Short-ETF, was zu Verlusten führen kann.
Ohne Marktkenntnis können sich Investorinnen und Investoren bei Short-ETFs leicht verspekulieren.
Die Pfadabhängigkeit kann sich insbesondere bei längeren Investitionszeiträumen unvorteilhaft auswirken.
Short-ETFs sind in erster Linie für kurzfristige Marktpositionierungen konzipiert. Für den langfristigen Vermögensaufbau setzen viele Anlegerinnen und Anleger hingegen auf breit diversifizierte ETF-Portfolios – beispielsweise die digitale Vermögensverwaltung von Raisin. Die Portfolios sind global diversifiziert und berücksichtigen Unternehmen auf der ganzen Welt für ein besonders ausgewogenes Portfolio. Neben großen, bekannten Unternehmen sind darunter auch etablierte Mittelständler. Dennoch gilt: Die Anlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden, die durch breite Streuung reduziert, aber nicht vollständig vermieden werden können.
Berechnen Sie Ihre erwarteten Erträge über verschiedene Zeiträume. Die prognostizierte Wertentwicklung liegt mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 90 % innerhalb des schattierten Bereichs.
Für die ausgewählten Parameter sind aktuell keine Daten verfügbar. Bitte versuchen Sie eine andere Kombination.
Frühere Wertentwicklung, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftigen Wertentwicklung.
Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise.

Die Portfolios der digitalen Vermögensverwaltung investieren Ihr Vermögen breit gestreut. Das heißt für Sie, dass Sie mit nur einem Portfolio von den globalen Aktien- und Anleihenmärkten profitieren.
Dabei folgt unser Anlageteam einer Strategie, in die 50 Jahre führender Finanzforschung eingeflossen sind.
Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Alle ausführlichen Informationen können Sie unter Risikohinweise nachlesen.
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